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Was sind Nahrungsergänzungsmittel ?


Als Nahrungsergänzungsmittel (Supplements) bezeichnet man Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe für ein spezielles Ernährungsziel oder für einen bestimmten Ernährungsbedarf dosiert, konzentriert und kombiniert sind.

Nahrungsergänzungen dienen der Bereitstellung von Nährstoffen und eignen sich besonders für Menschen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf aufweisen (z.B. Sportler und Menschen mit anspruchsvoller körperlicher und geistiger Tätigkeit) oder für Personen, welche aufgrund ihrer Ernährungsweise nicht in der Lage sind, ihren Bedarf an Nährstoffen zu decken.

Nahrungsergänzungsmittel werden hinsichtlich ihrer Wirkungsweise teilweise mit Arzneimitteln verglichen, gehören aber in den Lebensmittelbereich, da Supplements (Supplemente) ausschliesslich lebensmitteltypische Zutaten, sowie auch in normaler Nahrung vorkommende Wirkstoffe, enthalten.

Anwendungsbereiche von Nahrungsergänzungen
Nahrungsergänzungsmittel kommen besonders im Fitness- und Kraftsport, im Bodybuilding und in verschiedenen Ausdauersportarten zur Anwendung. Auch ausserhalb des Sportbereiches werden häufig aus gesundheitlichen Aspekten, aber auch aus gesellschaftlichen Beweggründen, vermehrt Nahrungsergänzungen in der täglichen Ernährung verwendet.

Inhaltstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln
Die regelmässige Supplementierung von Vitaminen und Mineralien ist besonders sinnvoll, um einer Mangelerscheinung entgegen zu wirken oder vorzubeugen. Durch das zusätzliche Bereitstellen von Vitaminen und Mineralien im Körper, wird das Immunsystem gestärkt, das Wohlbefinden und die Vitalität gefördert, sowie die physische und psychische Leistungsfähigkeit gesteigert.
Besonders dieser gesundheitliche Aspekt sorgt für die weite Verbreitung von Vitamin- und Mineralienprodukten in der Bevölkerung. Auch zahllose Diätprodukte erfreuen sich, aufgrund gesellschaftlicher Bedürfnisse, grosser Beliebtheit. Neben dem gesundheitlichen Wohlergehen sehen viele Menschen in der Anwendung solcher "Mahlzeiten-Ersatz" Produkte besonders ein Instrument, um ihr Streben nach der Idealfigur erfolgreich zu unterstützen. Diätprodukte beinhalten nahezu alle benötigten Nährstoffe und bestehen überwiegend aus Kohlenhydraten und Protein. Teilweise kann durch die Vielfalt an Inhaltsstoffen und aufgrund ihrer Dosierung eine vollwertige Mahlzeit ersetzt werden.

Fast alle im Bodybuilding und Kraftsportbereich angewendeten Nahrungsergänzungsmittel, sind nicht grundsätzlich auf die Deckung des Mindestbedarfes an Nährstoffen ausgelegt. Sie dienen eher dem Bereitstellen und Erzeugen eines Überschusses an Nährstoffen, um einfacher einen Masseaufbau zu erwirken. Neben Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, etc. bestehen diese Supplements, ähnlich wie Diätprodukte hauptsächlich aus Eiweiss und Kohlenhydraten, aber auch aus unzähligen weiteren Einzelwirkstoffen, welche oft in hochkonzentrierter Form eingenommen werden.

Tatsächlich können zahlreiche Supplements die normale Ernährung einerseits hervorragend ergänzen, aber auch ersetzen. Entscheidend hierbei ist die Dosierung der Inhaltstoffe - die Zusammensetzung, überwiegend Protein und Kohlenhydrate, ist in der Regel sowohl bei Mahlzeiten Ergänzungs- wie auch bei Ersatzprodukten identisch.

Darreichungsformen
Die Wirkung und die Eigenschaften einzelner Nahrungsergänzungsmittel sind sehr unterschiedlich. Nicht nur die Zusammensetzung und die Dosierung der jeweiligen Inhaltstoffe sind massgebend für den Anwendungsbereich eines Supplements, sondern auch die Art der Darreichungsform.

Nahrungsergänzungsmittel werden am häufigsten in Form von Kapseln, Tabletten, Pulver, Riegel oder als flüssige Zubereitung (Konzentrat, Getränk, Trinkampullen) angeboten.

Jede Darreichungsform bietet dem Anwender bestimmte Vor- und Nachteile. Supplemente in Pulverform können vergleichsweise sehr viele verschiedene Nährstoffe in konzentrierter Form beinhalten und ermöglichen zusätzlich eine äusserst genaue, dem effektiven Bedarf des Konsumenten entsprechende Dosierung für die einzelnen Anwendungen. Allerdings sind Nahrungsergänzungen in Pulverform im Gegensatz zu Kapseln, Tabletten und flüssigen Zubereitungen eher ungeeignet für die Einnahme unterwegs. Durch Supplemente in flüssiger Form werden die enthaltenen Nährstoffe schneller dem Körper zur Verfügung gestellt als dies beispielsweise bei Kapseln, Tabletten oder Riegeln der Fall ist. Dafür nehmen Riegel, Kapseln und Tabletten, sowie Trinkampullen und Getränke keine Zeit für die Zubereitung vor deren Anwendung in Anspruch. Sie sind jederzeit verfügbar und eignen sich so besonders für die Supplementierung zwischen den Mahlzeiten, während der Arbeit oder dem Training.

Die wichtigsten Nahrungsergänzungsmittel/Supplements im Sport
Viele Nahrungsergänzungsmittel eignen sich hervorragend für Menschen die Sport treiben. Sportler sind, je nach Intensität der Ausübung der jeweiligen Sportart, auf einen höheren Nährwert ihrer Nahrung angewiesen. Nahrungsergänzungsprodukte stellen hier, aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, eine optimale Nährstoffquelle dar um den Körper mit ausreichend Baustoffen, Reglerstoffen und Energie zu versorgen.

Im Sport werden somit hauptsächlich Produkte mit Nährstoffen verwendet, die auf den Körper eher eine Masse aufbauende und eine leistungssteigernde Wirkung besitzen, wie beispielsweise Protein, Kreatin, Aminosäuren,Kohlenhydrate, etc. Daneben kommen auch häufig Mischprodukte zur Anwendung, in denen mehrere Nährstoffe kombiniert sind (z.B. "Weight Gainer", "Meal Replacements" und Diätprodukte). Diese Mischpräparate sind vielfach in der Lage, eine vollwertige Mahlzeit zu ersetzen.

Folgende Hauptnährstoffe kommen in Nahrungsergänzungsmitteln (Supplements) für Sportler zur Anwendung:

Protein/Eiweiss
Protein ist der wichtigste Baustoff für den Körper und ist zur Gewinnung von Aminosäuren notwendig.

Ziel der Supplementierung: Muskelaufbau und -erhalt, Regeneration
Übliche Darreichungsformen: Pulver, Riegel

Kohlenhydrate
Kohlenhydrate stellen für den Körper die bedeutendste Energie- und Kalorienquelle dar. Neben ihrer Funktion als Energielieferanten dienen Sie dem Organismus als Reglerstoffe.

Ziel der Supplementierung: Bereitstellen von Energie, Leistungssteigerung
Übliche Darreichungsformen: Pulver, Riegel, Flüssigkeit (Getränke)

Aminosäuren
Aminosäuren sind wesentliche Bestandteile der Muskeln, stärken das Immunsystem, fördern die Ausdauerfähigkeit und unterstützen die Regeneration nach dem Training.

Ziel der Supplementierung: Ausdauer, Regeneration
Übliche Darreichungsformen: Pulver, Kapseln, Tabletten, Flüssigkeit (Konzentrat)

Vitamine und Mineralien
Vitamine und Mineralien dienen dem Körper als Baustoffe und Reglerstoffe. Sie sind für die Leistungsfähigkeit des Körpers, das Funktionieren des Stoffwechsels, den Zellaufbau und das Immunsystem unerlässlich.

Ziel der Supplementierung: Leistungserhalt und -steigerung, Förderung der Körperfunktionen
Übliche Darreichungsformen: Kapseln, Tabletten

Kreatin/Creatin
Kreatin begünstigt das Muskelwachstum und fördert die Leistungsfähigkeit des Körpers, sowie die Regeneration.

Ziel der Supplementierung: Muskelaufbau, Energie, Ausdauer, Regeneration
Übliche Darreichungsformen: Pulver, Kapseln, Tabletten, Flüssigkeit (Konzentrat)

Mischprodukte (Weight Gainer) / Meal Replacements /Diätprodukte
Sie bestehen immer aus mehreren Hauptnährstoffen und verfolgen je nach Zusammensetzung und Dosierung ihrer Inhaltsstoffe sehr unterschiedliche Ziele. Vielfach dienen sie einer diätetischen Ernährung, sind teilweise sogar für eine Gewichtsreduktion gleichermassen geeignet wie für eine Gewichtszunahme. Meistens versucht man mit solchen Produkten, dem Trainierenden gleichzeitig die Energie für das Muskelaufbau-Training, sowie die ebenfalls benötigten Baustoffe zur Verfügung zu stellen - beispielsweise Kohlenhydrate und Protein (so genannte "Weight Gainer").

Ziel der Supplementierung: Gewichtsreduktion, Masseaufbau, Mahlzeit-Ersatz, Mahlzeit-Zusatz
Übliche Darreichungsformen: Pulver, selten Riegel

Energiepräparate, Booster, Stacker
So genannte Booster oder Stack's werden vor Trainingsbeginn eingenommen um den Kreislauf anzutreiben und so eine optimale Energieentfaltung für das Training zu erwirken. Vielfach werden derartige Booster gleichzeitig als Fat-Burner angeboten, da Sie thermogene Eigenschaften besitzen. Es gibt unzählige Wirkstoffe die in Boostern enthalten sein können. Oft verwendete Substanzen sind: Koffein, Taurin, Guarana, Ginseng, diverse Aminosäuren (z.B. Tyrosin), verschiedene Vitamine und Mineralien, etc.

Ziel der Supplementierung: Bereitstellen von Energie, Leistungssteigerung, teilweise Fettverbrennung
Übliche Darreichungsformen: Kapseln, Tabletten, Pulver, Flüssigkeit (Getränke & Konzentrat)

Nahrungsergänzungen - Fazit
Nahrungsergänzungsmittel bieten dem Anwender eine enorme Vielfalt an Vorteilen und stellen in vielen Situationen ein wertvolles Hilfsmittel dar. Trotzdem sollte man eine optimale Nährstoffversorgung des Körpers nicht ausschliesslich von der Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungen abhängig machen. Um sportliche Ziele zu verwirklichen oder um die persönliche Gesundheit zu unterstützen, bilden eine ausgewogene, den Bedürfnissen angepasste Ernährung und regelmässige Bewegung immer die wichtigste Grundlage.

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Eine Umfrage bei 2500 Amerikanern in 2002 zum Thema "warum nehmen Sie Supplements " ergab folgende Resultate

Supplements: Warum ?

Vitamine/Mineralstoffe

% der Antworten

Naturproduktes/Supplements

% der Antworten

Gesundheit

35

Gesundheit

16

Nahrungsergänzung

11

Arthritis

7

Vitamine/Mineralstoffe

8

Gedächtnisunterstützung

6

Prävention gegen Osteoporose

6

Energie

5

Vom Arzt verordnet

6

Verstärkung des Immunsytems

5

Vorbeugung gegen Erkältungen und Grippe

3

Gelenke

4

Keinen speziellen Grund

3

Nahrungsergänzung

4

Verstärkung des Immunsytems

2

Schlafhilfe

3

Empfohlen von Familie/Freunden/Presse

2

Prostata

3

Energie

2

Keinen speziellen Grund

2

Andere

22

Andere

45

* Adaptiert von Kaufman DW, Kelly JP, Rosenberg L, et al. Recent patterns of medication use in the ambulatory adult population of the United States: the Slone survey. Journal of the American Medical Association. 2002;287(3):337-344. Copyright © 2002, American Medical Association. All rights reserved.

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Wie kann ich wissenschaftlich dokumentierte Information über ein Supplement erhalten?

  • Fragen Sie Ihren Ernährungsberater oder Apotheker. Sollten diese über keine wissenschaftlichen Befunde verfügen, so können sie sich anhand von medizinischen Nachschlagewerken über die Anwendung und Vorsichtsnahmen Informationen einholen.
     

  • Diätspezialisten haben ebenfalls Zugang zu Information
     

 Bitte erinnern Sie sich an folgende wichtige Punkte:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Ernährungsberater, wenn Sie die Absicht haben Supplements zu nehmen. Dies gilt zu Ihrem Schutz. Es ist von spezieller Wichtigkeit, im Fall, dass Sie :
     

    • die Absicht haben, Ihre durch den Arzt verordneten Medikamente mit einem oder mehreren Supplements zu ersetzen.
       

    • rezeptpflichtige oder rezeptfreie Medikamente einnehmen. Es gibt Supplements, deren Inhalt mit Arzneimitteln interagiert.
       

    • eine chronische Krankheit haben.
       

    • vor einem chirurgischen Eingriff stehen. Es gibt gewisse Supplements, die das Risiko des Blutverlusts erhöhen oder die Narkose und schmerzstillende Arzneimittel beinträchtigen.
       

    • schwanger sind oder stillen.
       

    • die Absicht haben, einem Kind Supplements zu verabreichen, da viele im Angebot vorhandene Supplements für Kinder weder getestet, noch deren Wirksamkeit wissenschaftlich festgelegt ist.
       

  • Halten Sie sich an die tägliche Dosierung auf dem Etikett des Produkts, es sei denn Ihr Ernährungsberater empfiehlt Ihnen eine andere Dosis.
     

  • Sollten Sie Nebenwirkungen wahrnehmen, sollten Sie mit der Einnahme des Produkts aufhören und Ihren Ernährungsberater davon informieren.


     

Supplements und Medikamente können interagieren

Beispiel:

  • Johanniskraut kann rezeptpflichtige Medikamente gegen Depressionen beeinträchtigen. Es kann auch mit Medikamenten gegen HIV Infektion, Krebs und Geburtenkontrolle interferieren, oder dazuführen, dass Organtransplationen vom Körper abgestoßen werden.
     

  • Ginseng kann den stimulierenden Effekt von Kaffee, Tee und Cola-haltigen Getränken steigern. Es kann auch den Blutzuckerspiegel senken, was für Diabetiker gefährlich werden kann.
     

  • Ginkgo, in Kombination mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten, kann Blutungen erzeugen. Es wird ebenfalls vermutet, dass Ginkgo Medikamente im Bereich der Psychiatrie  beeinflusst.

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In der Beschreibung vieler Supplements findet man das Wort "natürlich". Kann "natürlich" immer mit "gefahrlos"
gleichgestellt werden?

Es gibt eine große Anzahl von Supplements, wie auch von rezeptpflichtigen Medikamenten gleichermaßen, die von natürlichen Bezugsquellen stammen und beide helfen und sind gefahrlos. Wie dem auch sei, "natürlich" heisst nicht immer "gefahrlos" oder "ohne gefährliche Effekte." Dazu können wildwachsende Pilze als Beispiel genannt werden - einige Sorten sind gefahrlos und essbar, während andere giftig sind.

Die FDA der USA warnt vor Supplements, die dem Gebraucher ein Risiko sein können. Eine Liste finden Sie weiter unten. Die FDA nennt diese Supplements, weil sie

  • Die Gesundheit beinträchtigen können - in gewissen Fällen sogar schwerwiegend.
     

  • infiziert waren mit nicht auf dem Etikett deklarierten Naturprodukten, Pestiziden, Schwermetallen oder rezeptpflichtigen Medikamenten.
     

  • in gefährlichem Maß mit rezeptpflichtigen Medikamenten interagieren.

Beispiele der Supplements
die von der FDA mit einer Sicherheitswarnung versehen wurden

  • Ephedra

  • GHB (gamma hydroxybutyric acid), GBL (gamma butyrolactone), und BD (1,4-butanediol)

  • Kava

  • Gewisse Diät-Tees

  • L-tryptophan

  • Gewisse Produkte zur Libidosteigerung, die als eine "natürliche" Alternative für das Medikament Viagra,® vermarktet werden, jedoch das unveröffentlichte Medikament Sildenafil oder Tadalafil enthalten.

  • PC SPES und SPES

  • Aristolochic acid

  • Schwarzwurz/Wallwurz/Beinwell

  • Johanniskraut

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       Was ist das Chronische Erschöpfungssyndrom?

    Das Chronische Erschöpfungssyndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung, die häufig zu ernsthafter Behinderung führt. Nach neuesten internationalen Forschungen sind die neuroendokrinen und immunologischen Regelkreise und Funktionen in charakteristischer Weise gestört. CFS äußert sich in einem grippeähnlichen Zustand und einer extremen körperlichen und geistigen Erschöpfung, die bereits nach geringster Belastung auftritt. Erst wenn dieser Zustand länger als 6 Monate anhält und keine andere Ursache gefunden wurde, spricht man von einem Chronic Fatigue Syndrome.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in ihrer International Classification of Diseases (ICD 10) CFS als neurologische Erkrankung unter G 93.3 verschlüsselt.

    Die amerikanischen Gesundheitsbehörden haben das CFS zum ersten Mal im Jahr 1988 definiert und der Erkrankung damit diesen Namen gegeben. In der Forschung wird derzeit hauptsächlich die revidierte Fassung dieser Definition von Fukuda et. al aus dem Jahr 1994 verwendet. (Ein deutschsprachige Fassung der Fukuda-Kriterien finden Sie hier.). Als erste klinische Definition des CFS kann die sogenannte "kanadische Definition" betrachtet werden, die auf den Empfehlungen einer Gruppe von internationalen Experten zur Behandlung und Erforschung des CFS beruht.

             2.      Was sind die Hauptsymptome des CFS?    

    Neben dem Leitsymptom der andauernden und überwältigenden Erschöpfung treten eine Reihe weiterer Symptome auf wie Kopfschmerzen, Halsschmerzen, empfindliche Lymphknoten, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, nicht erholsamer Schlaf und eine anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengungen. Hinzu kommen Allergien, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit, Sehstörungen, Störungen der Temperaturregelung, Depressionen, Schlafstörungen, Kribbeln und Nervenzuckungen sowie wiederkehrende Infekte, Magen-Darm-Störungen und eine Chemikalienüberempfindlichkeit. Die Symptome treten jedoch nicht bei allen Patienten gleichermaßen auf. Manche haben nur eine geringe Schmerzsymptomatik, während bei anderen die Schmerzen im Vordergrund stehen.

    Neu auftretende Symptome sollten immer medizinisch abgeklärt werden, da sie Anzeichen einer anderen Erkrankung sein können.

    3.      Was sind die Ursachen des CFS? Wodurch wird es ausgelöst?

    Die Ursachen und Krankheitsmechanismen sind trotz intensiver internationaler Forschung in den letzten Jahren noch nicht geklärt. Es gibt jedoch typische, prädisponierende und auslösende Faktoren. Bei etwa 75 Prozent der Betroffenen entwickelt sich das CFS schlagartig, meist nach einer „banalen“ Infektion. Auch Unfälle, Operationen, Impfungen oder die Exposition gegenüber giftigen Chemikalien werden als Auslöser genannt. Die restlichen 25 Prozent berichten von einem schleichenden Beginn. Eine genetische Disposition ist nach den jüngsten Forschungen wahrscheinlich.

    4.      Wie lange dauert CFS?

    Je nach Schweregrad der Erkrankung ist die Dauer sehr unterschiedlich. Einige Patienten erholen sich schon nach wenigen Monaten, andere sind über Jahre hinweg stark behindert. Der Mehrzahl der Betroffenen geht es jedoch im Laufe der Zeit besser, so dass sie wieder – mehr oder weniger eingeschränkt – am Leben teilnehmen und ein erfülltes Leben führen können.

    Es ist wichtig, sich keine unrealistischen Ziele zu setzen. Es gibt viele kleine Veränderungen, die man jeden Tag machen kann und die auf lange Sicht zu einer Besserung führen. Verlieren Sie die Hoffnung nicht, aber stellen Sie sich auch darauf ein, dass die Erkrankung lange Zeit dauern kann.

    Es gibt durchaus Behandlungsansätze, die die Symptomatik abschwächen und die Chancen auf eine Erholung verbessern können. Es ist wichtig, durch eine Veränderung des Lebensstils dem Kreislauf von Überforderung und anschließenden Rückschlägen zu entkommen.

    5.      Werde ich wieder gesund?

    Eine völlige Gesundung ist möglich, tritt aber eher selten auf. Die Raten für eine vollständige Erholung werden in seriösen Studien zwischen 2 und 12 Prozent angegeben. Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen die Leistungsfähigkeit wiedergewinnen, die sie vor Beginn der Erkrankung hatten. 

    Die Schweregrade des CFS sind sehr unterschiedlich. Manche Betroffene haben eine relativ milde Verlaufsform, die weniger als ein Jahr anhält, andere sind über Jahre hinweg ans Haus gefesselt oder sogar bettlägerig. 

    Man geht davon aus, dass die Chancen einer vollständigen Erholung geringer werden, je länger die Krankheit andauert. Jedoch erholen sich die meisten Betroffenen im Laufe der Zeit bis zu einem gewissen Grad und nur wenigen geht es fortschreitend schlechter. Schwankungen in der Symptomatik und Rückfälle sind normale Phänomene des CFS, mit denen Sie rechnen und umgehen lernen müssen. Eine Erholung verläuft nicht gradlinig, sondern schließt diese Schwankungen mit ein. Es ist oft schwer, sich von vorübergehenden Rückfällen nicht entmutigen zu lassen.

    6.      Gibt es eine Behandlung für CFS?

    Eine Behandlung, die an den Ursachen des CFS angreift, gibt es bislang noch nicht. Jedoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln und zu lindern.

    Entscheidend ist das richtige Krankheitsmanagement. Empfohlen wird ein Vorgehen, das im englischsprachigen Raum als „Pacing“ bekannt ist: Aktivitäten körperlicher und geistiger Art sollten die individuelle Belastungsgrenze nie überschreiten. Diese Belastungsgrenze kann sehr unterschiedlich sein und muss vom Patienten selbst ermittelt werden. Wenn es zu einer Symptomverschlechterung kommt, die häufig auch erst mit 24-48-stündiger Verzögerung auftritt, dann wurde sie überschritten und die Belastung muss reduziert werden. Nur dann hat der Körper die Möglichkeit zur Selbstheilung. Richtiges Pacing bedeutet, die richtige Balance zwischen Aktivität und Ruhe zu finden, und dies kann ein entscheidender Schlüssel für eine Erholung sein.

    Nach der ersten Phase der Erkrankung oder in Phasen eines Rückfalls, in denen es sinnvoll ist, die Aktivität einzuschränken, ist es aber auch wichtig, die Belastungsgrenze nicht dauerhaft zu unterschreiten. Eine gewisse Belastung ist angebracht, die dann u.U. im Laufe der Zeit ausgedehnt werden kann.

    Symptome wie Schlafstörungen, Allergien, Schmerzen und Depressionen können medikamentös behandelt werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass viele Patienten auf Medikamente extrem empfindlich reagieren. Deshalb sollte jeweils mit geringen Dosen begonnen werden. Nahrungsergänzungsmittel wie Mineralstoffe und Vitamine können im Einzelfall sinnvoll sein. Jede medikamentöse Behandlung muss jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

    7.      Kann man an CFS sterben?

    CFS ist keine progressive oder tödlich verlaufende Erkrankung. Es können jedoch wie bei allen chronischen Krankheiten Folgeerkrankungen auftreten, die lebensbedrohlich werden können. Deshalb ist es wichtig, neu hinzukommende oder stärker werdende Symptome nicht einfach dem CFS zuzuordnen, sondern sie medizinisch abzuklären. Im Allgemeinen jedoch stirbt man an CFS nicht. Es kommt aber vor, dass die Betroffenen durch die Krankheit und ihre psychosozialen Folgen in die Verzweiflung getrieben werden und Selbstmord begehen. Deshalb ist dringend eine psychologische Behandlung notwendig, wenn solche Selbstmordgedanken aufkommen.

    8.      Wie finde ich einen Arzt, der sich mit CFS auskennt?

    Ihr erster und wichtigster Ansprechpartner sollte immer der Hausarzt sein. Suchen Sie sich gegebenenfalls einen Arzt, der bereit ist, sich mit diesem komplexen Krankheitsbild auseinanderzusetzen und Sie zu betreuen. Eine Liste von „Spezialisten“ gibt es in Deutschland – im Unterschied zu anderen Ländern – leider nicht. Bislang haben sich in Deutschland nur eine Handvoll Ärzte intensiver mit CFS beschäftigt. Spezialisierte Kliniken sind nicht vorhanden. Häufig werden die Patienten in psychosomatische Kliniken überwiesen, in denen es aber erfahrungsgemäß bislang keine Behandlungsmöglichkeiten gibt, die speziell auf CFS-Patienten ausgerichtet sind. Vorsicht ist vor „Wunderheilern“ aller Art geboten, die mit unseriösen Heilsversprechen locken und den ohnehin finanziell gebeutelten Patienten hohe Kosten verursachen. Für alternative Behandlungsformen gilt Entsprechendes, obwohl sie durchaus eine symptomatische Erleichterung bringen können.

    9.      Wie wird CFS diagnostiziert?

    Es gibt keinen Labortest, der CFS positiv bestimmen könnte, auch wenn bestimmte spezielle Laborparameter häufig  von der Norm abweichen. Auf jeden Fall ist eine gründliche Anamnese und eine eingehende körperliche Untersuchung notwendig, die andere Erkrankungen ausschließt, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können. Wenn dann eine bestimmte Symptomgruppe vorliegt, die der Internationalen Falldefinition von 1994 (Fukuda et.al) entspricht, kann man von einem CFS sprechen. Neben dem Hauptkriterium der schweren Erschöpfung müssen noch vier der sogenannten Nebenkriterien erfüllt sein. Dazu zählen nicht erholsamer Schlaf, empfindliche Lymphknoten, Halsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen eines neuen Typs oder Schweregrades, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und eine Zustandsverschlechterung nach Belastung, die länger als 24 Stunden anhält.

    Wenn jemand über lange Zeit erschöpft ist, so kann das viele Ursachen haben. Nur ein geringer Prozentsatz dieser Menschen leidet tatsächlich am Chronic Fatigue Syndrome. Auch nach einer Krebsbehandlung beispielsweise leiden die Menschen häufig unter „Fatigue“. Diese hat aber andere Ursachen und kann in der Regel gut behandelt werden.

    10.  Ist CFS ein passender Name für diese Erkrankung? Warum gibt es verschiedene Bezeichnungen für sie?

    Viele Betroffene lehnen den Namen CFS mit der Begründung ab, er beschreibe die Schwere der Symptomatik ebenso wenig zutreffend, als wenn man Tuberkulose als chronisches Hustensyndrom oder Parkinson als chronisches Zittersyndrom bezeichnen würde. Der Begriff „Erschöpfung“ ist eine verharmlosende Bezeichnung der extremen Schwäche und Leistungseinschränkung, die mit der normalen Alltagserschöpfung eines Gesunden nicht vergleichbar ist. 

    In der ersten offiziellen Beschreibung der Erkrankung durch die amerikanischen Gesundheitsbehörden CDC aus dem Jahr 1988 wurde die Bezeichnung CFS jedoch gewählt, um das Leitsymptom – die Erschöpfung – zu erfassen. Diese Definition wurde vorwiegend aus pragmatischen Gründen vorgenommen, um eine Arbeitsgrundlage zur weiteren Erforschung der Erkrankung zu haben, mit der die Abgrenzung gegenüber anderen Erschöpfungszuständen möglich ist. In anderen Ländern finden sich teilweise andere Bezeichnungen, wie etwa in Großbritannien ME für Myalgische Enzephalopathie, in den USA CFIDS für Chronic Fatigue and Immune Dysfunction Syndrome oder in Australien PVS für Postviral Syndrome.

    Seit einigen Jahren tagt auf Veranlassung des Gesundheitsministeriums der USA eine internationale Arbeitsgruppe von CFS-Forschern, Ärzten und Patientenvertretern zur Festlegung eines neuen Namens, der die Ursachen und die Krankheitsmechanismen sowie die Hauptsymptome unmittelbar aufzeigen soll. Eine von allen akzeptierte Übereinkunft konnte jedoch noch nicht erzielt werden. Diskutiert wird der Name Neuroendocrine Immune Disorder (NEID), der die vielfach belegten Störungen der neuroendokrinen und immunologischen Regelkreise widerspiegelt.

    11.  Ist CFS ansteckend oder vererbbar?

    Es ist nicht bekannt, dass CFS von Mensch zu Mensch übertragen würde, es tritt jedoch in manchen Familien vermehrt auf. Dies mag auf Umweltfaktoren oder auf genetische Faktoren zurückzuführen sein, die Zwillingsstudien aus den USA und Genomanalysen der Universität Glasgow jetzt nahelegen. Da CFS gelegentlich auch epidemieartig auftritt, geht man davon aus, dass in diesen Fällen zwar der auslösende Virus ansteckend ist, das davon ausgelöste CFS hingegen nicht. Ob ein Betroffener im Anschluss an diese Virusinfektion CFS entwickelt oder nicht, ist eine Frage der individuellen Disposition.

    In Deutschland wurde CFS-Patienten durch den Leiter des Robert-Koch-Instituts jedoch von Blut- und Organspenden abgeraten, solange man die Ursachen des CFS noch nicht geklärt hat. Der belgische Forscher Kenny De Meirleir berichtet von Fällen, die infolge einer Bluttransfusion oder Organtransplantation aufgetreten sind.

    12.  Wer erkrankt an CFS?

    An CFS erkranken Menschen aller Altersgruppen, sozialen Klassen und ethnischen Gruppen. Auch Kinder und Jugendliche bekommen CFS. Das häufigste Auftrittsalter liegt zwischen 30 und 45 Jahren. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Die Ursache hierfür ist nicht bekannt, jedoch gibt es bei vielen immunologischen Erkrankungen diesen Frauenüberhang.

    13.  Wieviele Erkrankte gibt es in Deutschland?

    Es gibt keine Untersuchungen über die Häufigkeit des Auftretens in Deutschland. Jedoch wurden in Großbritannien und den USA sogenannte Prävalenzstudien durchgeführt, die eine Erkrankungsrate von 0,24 Prozent bis 0,42 Prozent der Bevölkerung ergaben. Hochgerechnet auf Deutschland ergibt sich eine Anzahl von 200 000 bis 400 000 Betroffenen. Da CFS in Deutschland sowohl bei Ärzten, Gesundheitsbehörden und in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt ist, kann davon ausgegangen werden, dass weit über 90 Prozent der Betroffenen keine oder eine falsche Diagnose bekommen haben.

    14.   Ist CFS eine neue Erkrankung?

    Nein. In der medizinischen Literatur wird CFS bereits seit Jahrhunderten beschrieben. Ein epidemieartiger Ausbruch in einem Londoner Krankenhaus im Jahr 1955 fand in der Literatur relativ viel Beachtung. Der Arzt Melvin Ramsay, der diesen Ausbruch beschrieb, prägte damals die in Großbritannien übliche Bezeichnung Myalgische Enzephalomyelitis (ME).

    Manche Forscher sind jedoch der Meinung, dass CFS seit 1980 deutlich zugenommen hat und nur eine Ausdrucksform einer ganzen Reihe von umweltbedingten Multisystemerkrankungen sei.

    15.  Wie erkläre ich CFS meinen Freunden, meiner Familie und meinem Arbeitgeber?

    Zweifelsohne ist es schwierig, eine Erkrankung zu erklären, die mit sehr starken funktionellen Beeinträchtigungen verbunden ist, die man aber nicht „sieht“ und die mit den üblichen Labortests nicht nachweisbar ist. Auch die Schwankungen der Symptomatik lassen sich Außenstehenden oft nur schwer verständlich machen. Häufig werden die Patienten mit Zweifel, Unglaube und Aussagen konfrontiert wie: „Ich bin auch immer müde,“ oder „Reiß Dich mal zusammen, dann geht es schon wieder,“ oder „Das ist sicher alles nur psychisch bedingt.“ 

    Machen Sie Ihrer Umgebung klar, dass Ihre Erschöpfung mit der eines Gesunden in keiner Weise vergleichbar ist. Sie ist nicht nur viel umfassender im Sinne eines schweren Krankheitsgefühls ähnlich wie bei einer Grippe, sondern bessert sich auch durch Schlaf oder Ausruhen nicht. Machen Sie deutlich, dass es Ihnen schlechter geht, wenn Sie sich überfordern und dass es keine Frage des Willens ist, ob sie etwas tun oder lassen. Setzen Sie klare Grenzen. 

    Und verweisen Sie auf die internationalen Forschungsergebnisse, die wiederholt belegen, dass CFS eine schwere organische Erkrankung ist und psychische Probleme allenfalls die Folge, aber nicht die Ursache Ihres Zustandes sind. Holen Sie sich gegebenenfalls Rat und Unterstützung bei ebenfalls Betroffenen/in Selbsthilfeorganisationen.

    16.  Spielt Stress eine Rolle?

    Häufig berichten die Patienten, dass sie vor dem Ausbruch des CFS einem langanhaltenden, schwer abbaubaren Stress ausgesetzt waren. Stress ist einer von vielen möglichen auslösenden Faktoren, ist jedoch nicht die Ursache der Erkrankung. Stress kann ein krankheitsunterhaltender Faktor sein und sollte so weit wie möglich abgebaut werden. CFS-Patienten sind nach Ausbruch der Erkrankung in der Regel sehr wenig stressresistent. Normale Belastungen wie Licht, Lärm, viele Menschen, Temperaturschwankungen, sensomotorische und emotionale Belastungen etc. können die Patienten sehr schnell an ihre Belastungsgrenze bringen und zu einer Symptomverstärkung führen.

    17.  Kann ich mit CFS berufstätig sein?

    Das hängt sehr stark von der individuellen Symptomatik und von den jeweiligen Anforderungen an Ihrer Arbeitsstelle ab. Manche Menschen, die eine relativ milde Form des CFS haben, können ihre Berufstätigkeit aufrechterhalten, wenn auch mit Mühe und unter Verzicht auf  jegliche andere Aktivität. Anderen gelingt es, einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen. Es gibt aber auch Betroffene, die überhaupt nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten. Nach einer Studie in den USA arbeiten dort etwa 53 Prozent der Betroffenen in irgendeiner Form.

    Entscheidungen im Hinblick auf eine berufliche Veränderung oder Verrentung sollten stets sorgfältig überlegt werden. Setzen Sie sich gegebenenfalls mit dem Behindertenbeauftragten Ihres Betriebes oder einem anderen Berater in Verbindung.

    18.  Warum ist CFS in Deutschland so wenig bekannt?

    Hier kann man nur spekulieren. CFS ist in der Ausbildung der Mediziner in Deutschland bis heute kein Thema. Der Wissenstransfer von den USA nach Europa beträgt in der Regel acht bis 10 Jahre. CFS ist zweifelsohne eine umstrittene und äußerst komplexe Erkrankung, mit der sich die Ärzte nicht gern beschäftigen und die von vielen mit großer Skepsis betrachtet wird. Vielleicht gibt es die Befürchtung, dass Ärzte, die sich mit CFS-Patienten beschäftigen, genauso diskriminiert werden und ihren Ruf verlieren, wie es den Patienten widerfährt. Vielleicht ist die Hilflosigkeit, die auch die Ärzte im Angesicht dieser Erkrankung erleben und ertragen müssen, zu beängstigend. Vielleicht ist auch für Ärzte das Missverhältnis zwischen der Massivität der Symptome auf der einen Seite und den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten auf der anderen Seite nur schwer auszuhalten.

    19.  Warum wurde CFS von den Ärzten so lange ignoriert und missverstanden?

    CFS ist keine tödlich verlaufende/und oder ansteckende Erkrankung wie HIV oder SARS. Der Handlungsbedarf erscheint den Gesundheitsbehörden deshalb weniger dringend.

    CFS ist kein Thema in der Ausbildung der Mediziner.

    Die üblichen Labortests zeigen bei CFS häufig keine Abweichungen, die aus Sicht der Ärzte einen „Krankheitswert“ hätten.

    Insbesondere im deutschsprachigen Raum ist es üblich, Erkrankungen, die „keiner bekannten Erkrankung zuzuordnen sind“, als „somatoforme Störung“ zu klassifizieren – für die die Mediziner fortan nicht mehr zuständig sind, sondern die Psychologen oder Psychiater.

    Aufgrund des mangelnden Problembewusstseins gibt es in Deutschland keinerlei finanzielle Mittel für die Erforschung der biomedizinischen Ursachen des CFS. In anderen Ländern, etwa den USA, Großbritannien und Belgien, werden hierfür z.T. erhebliche Gelder auch von Seiten der Regierungen bereitgestellt. In Großbritannien soll eine staatliche Anschubfinanzierung die Versorgung der Betroffenen innerhalb des nationalen Gesundheitsdienstes gewährleisten. In Deutschland dagegen gibt es bislang nicht einmal eine Beratungsstelle oder gar spezielle medizinische Versorgungszentren.

    20.  Welche anderen Erkrankungen gibt es, die ähnliche Symptome haben?

    Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, deren Symptome und Krankheitsmuster einander so ähnlich sind, so dass man gemeinsame Krankheitsmechanismen vermutet. Zu diesen Erkrankungen gehören die Fibromyalgie, die Multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS), das sogenannte Golfkriegssyndrom und die Borreliose.

    21.  Ist CFS eine Depression oder eine psychiatrische Erkrankung?

    Nein. Primäre psychiatrische Erkrankungen wie etwa eine majore Depression oder Essstörungen sind ein Ausschlusskriterium für CFS. Zahlreiche internationale Studien belegen entscheidende biochemische und symptomatische Unterschiede zwischen Patienten mit Depressionen und CFS-Patienten. Jedoch treten Depressionen bei vielen CFS-Patienten wie bei vielen anderen chronisch Kranken als sekundäres Symptom auf und sind als solche auch behandlungsbedürftig.

    In der Medizingeschichte wurden bis in die jüngste Zeit immer wieder Erkrankungen, die man in ihrer Ursache noch nicht verstanden hatte, als Hysterie, Depression, somatoforme Störung oder „psychisch bedingt“ bezeichnet. Beispiele hierfür sind Multiple Sklerose, Tuberkulose und durch Helicobacter Pylori verursachte Magenerkrankungen.

    22.    Was kann ich selbst tun, damit es mir besser geht?

    Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers. Wenn Sie die subjektive Belastungsgrenze zu lange und zu stark überschreiten, kann es zu anhaltenden Rückfällen kommen. Die Patientenorganisationen in Großbritannien und den USA empfehlen das oben bereits erwähnte „Pacing“-Konzept, d.h. eine der eigenen Leistungsfähigkeit angepasste Belastung, bei der die Belastungsgrenze nicht überschritten werden sollte. Eine solche Veränderung des Lebensstils fördert den Gesundungsprozess und ermöglicht im Laufe der Zeit eine Ausdehnung der Belastungsgrenzen. Überforderung ist ebenso schädlich wie dauerhafte Unterforderung, wobei manche Patienten so schwer erkrankt sind, dass sie das Bett über lange Zeit hinweg kaum verlassen können.

    Regeln Sie Ihre finanziellen Angelegenheiten und beruflichen Perspektiven, um den sich hieraus ergebenden Stress so gering wie möglich zu halten. Schaffen Sie sich eine Umgebung, in der Sie sich langfristig erholen können und Unterstützung erfahren. Und geben Sie nie auf, diese Bedingungen zu suchen, auch wenn sie schwer zu erreichen sind.

    Da es noch keine Heilung für das CFS gibt, ist es entscheidend, so mit der Krankheit leben zu lernen, dass die Symptome nicht stärker werden, sondern sich abschwächen. Die Erfahrungen tausender Patienten sind in die kurzen Hinweise eingegangen, die die britische Patientenorganisation Action for ME zum Leben mit CFS in einer ihrer Broschüren gibt:

    1. „Lernen Sie, mit Ihrer Energie und Ihrer Aktivität umzugehen. Körperliche, geistige und emotionale Tätigkeiten gehören gleichermaßen dazu. Werden Sie zum Experten im Umgang mit Ihrer  Krankheit und behalten Sie die Kontrolle über Ihr Leben.

    2. Behandeln Sie die Symptome, unter denen Sie am meisten leiden, damit sie Ihr Leben nicht bestimmen. Dazu gehören beispielsweise Schmerzen, Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit. Symptome, die Sie nicht in den Griff bekommen, können einer Erholung im Wege stehen. Ihr Arzt kann Ihnen beim Umgang mit Ihren Symptomen helfen, indem er Ihnen entsprechende Medikamente verordnet. Es gibt weitere Strategien, die Ihnen helfen können. Teilen Sie Ihre Aktivitäten ein, machen Sie Pausen und reduzieren Sie Ihr Aktivitätsniveau. Auch Entspannungstechniken oder komplementäre Therapien können hilfreich sein.

    3. Bauen Sie ein gutes partnerschaftliches Verhältnis mit Ihrem Hausarzt auf. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen und mag in einigen Fällen auch schwierig sein, aber das gemeinsame, partnerschaftliche Vorgehen mit Ihrem Arzt kann ein entscheidender Faktor sein, um Ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine Erholung zu ermöglichen.

    4. Denken Sie immer daran, dass man sich von CFS/ME auch erholen kann. Lernen Sie, Ihre Erkrankung zu akzeptieren, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich zu gegebener Zeit erholen.

    5.  Sie sind mit Ihrer Erkrankung nicht alleine. In Großbritannien leiden schätzungsweise 240.000 Menschen darunter (in Deutschland ca. 300.000). ...“

     Zwei Broschüren zum Krankheitsmanagement sind beim größten deutschsprachigen Patientenverband, dem Fatigatio e.V., zu beziehen. Sie beruhen auf langjährigen Erfahrungen der Patienten in den USA und Großbritannien. Beim Fatigatio bekommen Sie auch weitere Broschüren, die auf dem neueren internationalen Erkenntnisstand zu Diagnose und Therapiemöglichkeiten beruhen. Ein Bestellformular findet sich unter http://www.fatigatio.de/pdf_download.php?pdf_file=bestellliste_nm.pdf

    Eine sehr informative und verständliche Informationsbroschüre, die zudem auf der kanadischen klinischen Definition des CFS aus dem Jahr 2003 beruht, hat eine australische Patientenorganisation herausgegeben. Sie liegt jetzt in deutscher Sprache vor und kann hier heruntergeladen werden.

     

     

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